Bienen sammeln nur Honig wenn es sich lohnt

von Peter Scherrer

Beim Sammeln von Nektar handeln die Bienen sehr ökonomisch. Denn mit dem Nektar sammeln sie zwar Energie in Form von Kohlenhydraten für das Bienenvolk, verbrauchen jedoch für die Flugdistanz auch viel Energie. Aufgrund der geringen Körpergrösse verlieren Bienen auf dem Sammelflug viel Körperwärme.

Diesen Energiebedarf stellen die Bienen stets dem möglichen Energiegewinn, welchen sie in Form von gesammeltem Nektar erzielen können, gegenüber. Die Bienen wissen ob es sich lohnt auszufliegen und Nektar zu sammeln. Ist es zu kalt oder das Nektarangebot zu gering, bleiben sie zu Hause. In Abhängigkeit vom Nektarangebot wechseln die Bienen ihre Sammelstrategie von einer «time is honey-Strategie» zu einer «save the honey-Strategie» (Stabentheiner, Kovac, 2016).

Die «time is honey-Strategie» bedeutet, dass die Bienen so rasch wie möglich, viel Nektar aufsaugen. Dazu fliegen sie von Trachtpflanze zu Trachtpflanze, um schnell viel Honig zu sammeln. Damit sie den Nektar noch schneller aufsaugen können, erhöhen sie ihre eigene Körpertemperatur (Endothermie) damit der Nektar dank der höheren Temperatur noch flüssiger wird und die Biene die Sauggeschwindigkeit dadurch erhöhen kann. Die Bienen wissen also, dass eine Sacharose-Lösung wie Nektar respektive Honig, durch Erwärmung eine niedrigere Viskosität erreicht und damit fliessfähiger wird.

Für die Aufnahme der gleichen Nektarmenge brauchen die Bienen bei 25°C – 35°C fast nur halb so lange wie bei 20°C. Der Netto-Energie-Gewinn ist bei einer Temperatur von 30 – 35°C am höchsten (Stabentheiner, Kovac, 2016).

Die Bienen wechseln zu einer «save the honey-Strategie» wenn das Angebot an Nektar gering ist. Sie verwenden keine zusätzliche Körperwärme, um die Sauggeschwindigkeit zu verkürzen und sammeln auch nur wenige Stunden ab Tag Honig. Sie sparen ihre Energie und damit den Honigvorrat für eine Zeit, wenn sich die Mühe auch wirklich auszahlt. Dies kann ich als Imker oft gegen Abend beobachten, wenn der Nektar nach einem sonnigen Tag ausgetrocknet ist, denn dann bleiben die Bienen zu Hause und geniessen den Abend.

Dieses flexible Verhalten der Honigbienen in Abhängigkeit von unterschiedlichen Umweltbedingungen, wie Nektarangebot und Temperatur, ist einmal mehr äusserst beeindruckend. Insbesondere, wenn wir bedenken, dass das Hirn einer Biene gerade mal 1mm3 klein ist und nur 960'000 Neuronen hat (Giurfa, 2015).

Quellen und weiterführende Literatur

  • Stabentheiner, Anton & Kovac, Helmut. (2016). Honeybee economics: Optimisation of foraging in a variable world. Scientific Reports. 6. 28339. 10.1038/srep28339.
  • Giurfa, Martin. (2015). The amazing mini-brain: Lessons from a honey bee. Bee World. 84. 5-18. 10.1080/0005772X.2003.11099566.