Wie gefährlich ist Honig für Säuglinge?

von Peter Scherrer

Die Darmflora von Säuglingen ist bei Geburt noch nicht vollständig entwickelt. Gelangen bei einem Baby oder Säugling Sporen des Bakteriums Clostridum botulinum in den Magen, können diese auskeimen und im Magen das Nervengift Botulinum (BoNT) bilden, auch bekannt unter dem Handelsnamen Botox. Bild: Clostridium Botulinum Bactreria von Cedric Woudstra (University of Copenhagen).

Clostridiensporen befinden sich im Boden und in See- und Meeressedimenten. Sie vermehren sich kaum bei Temperaturen unter 3.3°C (Kühlkette) und werden bei einer Erwärmung während 60 Min. auf über 121°C zerstört (Konserven), wobei bezüglich Temperatur und Zeit in der Literatur unterschiedliche Angaben zu finden sind.

Infizierte Säuglinge zeigen Muskelschwäche, sie können den Kopf kaum halten und haben Schwierigkeiten beim Atmen, was sich durch Röcheln äussern kann. Die Reflexe sind schwach. Das Kleinkind kann schlecht saugen und schlucken. Der Speichel rinnt vermehrt aus dem Mund und die Pupillen reagieren verzögert auf Licht. Betroffene Kinder müssen rasch intensiv-medizinisch behandelt werden (Robert Koch-Institut, 2020).

In der Schweiz war Säuglingsbotulismus von 1987 – 2008 für Ärztinnen und Ärzte meldepflichtig. In dieser Zeit sind keine Fälle von Säuglingsbotulismus bekannt geworden (BAG, 2019). In Deutschland sind 2019 zwei Fälle von Säuglingsbotulismus gemeldet worden, welche beide möglicherweise in Zusammenhang mit dem Konsum von Honig stehen (Robert Koch-Institut, 2020). In den USA werden jedes Jahr etwa 100 Fälle von Säuglingsbotulismus registriert. Rund 20 % könnten in Zusammenhang mit dem Konsum von rohem Honig oder Maissirup stehen, schreibt die Food and Drug Administration (FDA). In der Nähe von Baustellen mit übermässigen Staubpartikeln und staubigen Abfällen ist eine Infektion von Säuglingen eher wahrscheinlich (Van Horn, 2020).

Eine Meldung der Food and Drug Administration (FDA) berichtete vier Fälle von Säuglingsbotulismus in Texas nachdem die Säuglinge mit Honig gefüllte Schnuller aus Mexico verwendeten. Es gäbe jedoch auch in den USA mit Honig gefüllte Schnuller online zu kaufen. Die FDA empfiehlt, Säuglingen unter 1 Jahr wegen Clostridium botulinum keinen Honig zu füttern. (FDA, 2018)

Wie die Sporen in den Honig gelangen ist wissenschaftlich nicht belegt. Da diese jedoch überall in der Umwelt vorkommen und anaerob überleben, können diese Sporen wohl auch im Honig überleben, wenn diese von den Bienen in den Bienenstock getragen werden.

Clostridien könnten durch eine längere Erhitzung unschädlich gemacht werden. Honig aus unserer Imkerei wird bewusst nicht erhitzt, um die wertvollen Enzyme nicht zu zerstören. Übrigens, viele Bakterien überleben im anaeroben Umfeld des Honigs nicht, weshalb dieser auch dank Enzymen, welche Wasserstoffperoxid (H2O2) produzieren, dem Honig eine antibakterielle Eigenschaft verleihen.

Die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden sind durchgängig und klar. Honig ist in seiner rohen Form ein tolles Lebensmittel, jedoch nicht für Säuglinge und Babys unter einem Jahr geeignet. Sollte der Deckel einer Konserve, von eingemachtem Gemüse oder von einem Honigglas ausbeulen darf es nicht mehr konsumiert werden. 

Quellen und weiterführende Literatur: