Was ist Bio Honig?

von Peter Scherrer

Bei den Grossverteilern gibt es inzwischen Bio Honig zu kaufen. In der Schweiz gibt es rund 17'500 Imker, davon sind nur rund 300 Bio Imker. Das sind nicht einmal 2 % Bio Imker.

Bei meinen Imkerkollegen und Imkerkolleginnen höre ich, «Honig ist ja sowieso immer Bio.» Was ist denn eigentlich eine Bio Imkerei respektive, was ist der Unterschied von Honig zu Bio Honig?

Anforderungen für die Bioimkerei

Damit eine Imkerei Bio-Honig verkaufen darf, müssen einige zusätzliche Anforderungen erfüllt sein. Im Grundsatz muss der Imker die Bienenvölker möglichst natürlich und nachhaltig führen und pflegen.

Bienenbeuten aus Holz sind Voraussetzung für eine Bio Imkerei und zur Ernte von Bio Honig

Im Bild unser Bienenstand am Waldrand in Sigigen im Kanton Luzern. Dieser Bienenstand erfüllt die Anforderungen an die Bio Imkerei.

Die wichtigsten Kriterien, welche wohl Imker und Imkerinnen davon abhalten Bio-Imker zu werden sind folgende:

Styroporbeuten sind nicht erlaubt. Viele Imker halten ihre Bienenvölker in Styroporbeuten. Viele Imker sagen [behaupten], die Bienenvölker entwickeln sich im Frühling dank der besseren Isolierung von Styropor rascher und haben dadurch mehr Frühlingshonig. Styropor ist in der Bioimkerei nicht erlaubt, da sind nur natürliche Materialien erlaubt. In der Regel sind die natürlichen Bienenbeuten aus Holz. Ob die Volksentwicklung in Holzbeuten schlechter ist, kann ich nicht sagen, weil ich von Beginn weg mit Holz geimkert habe und mir der Vergleich fehlt. Sicher ist, dass Holzbeuten schwerer sind als Styroporbeuten, was beim Wandern mit den Bienenvölkern und bei der Honigernte sicher ein Nachteil ist.

Billiger Kristallzucker ist nicht erlaubt. Im Herbst müssen wir die Bienenvölker bei uns in der Schweiz mit Zucker oder Zuckersirup auffüttern. Ein Bienenvolk braucht zum Überwintern rund 20 Kilogramm Zucker. Statt Kristallzucker aus konventioneller Landwirtschaft muss ich als Bioimker Biozucker verwenden. Ein Kilo Biozucker kostet in der Landi im 25 Kilogramm Sack CHF 2.40 und damit sicher drei Mal so viel wie Haushaltszucker aus konventioneller Landwirtschaft. Bei 25 Bienenvölker kostet der Zucker bereits 1'000 Franken mehr pro Jahr. Dazu kommen die Kosten für die Inspektion und die Bio Lizenz von nochmals rund 300 Franken. Bei einer durchschnittlichen Honigernte von 15 Kilo pro Volk kostet somit ein Kilo Honig bereits CHF 3.50 mehr als konventioneller Honig.

Einige weitere Anforderungen sind:

  • Die Bienenweide im Umkreis von 3 km um den Bienenstock besteht aus mindestens 50 % Bio- oder ÖLN-Flächen oder Wildpflanzen wie Wald.
  • Keine Rückstände von synthetischen Akariziden (0.5 mg/kg), Paradichlorbenzol (0.5 mg/kg) und Thymol (5 mg/kg) im Bienenwachs, weil diese Rückstände in den Honig gelangen können.
  • Zugekaufte Bienenvölker oder Königinnen müssen auch biologischer Herkunft sein.
  • Die instrumentelle Besamung von Bienenköniginnen ist nicht zulässig.
  • Das Beschneiden oder Verstümmeln der Flügel der Bienenköniginnen ist nicht zulässig. Einige Imker schneiden der Bienenkönigin einen von vier Flügel teilweise ab, damit die Königin beim Schwärmen nicht davonfliegen kann.

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) hat eine gute Übersicht über sämtliche Anforderungen dokumentiert (Link).

Meine Meinung

Billiger Kristallzucker füttern und gleichzeitig das Naturprodukt Honig verkaufen ist ein Widerspruch. Denn Haushaltszucker kommt zu 99.6 % aus nicht biologischem Anbau. Das Saatgut wird standardmässig mit Fungiziden, Düngemittel und Insektiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide gebeizt. Die eingesetzten Wirkstoffe (Imidacloprid, Chlotianidin und Thiametoxam) sind in der EU verboten, weil sie sehr schädlich sind für Bienen. Nur weil die Zuckerrübe als nicht-bienenattraktiv gilt hat die Zuckerindustrie eine Ausnahmegenehmigung erlangt. Deshalb kaufe ich Bio Zucker und verkaufe Bio Honig.

Im nächsten Beitrag berichte ich über den Weg zur Bio Imkerei, denn das ist kein Hexenwerk.