Zwei Bienenvölker sind tot

von Peter Scherrer

Leider sind in diesem Spätherbst bereits zwei unserer Bienenvölker gestorben. Am Flugloch habe ich erkannt, dass auch bei gutem Bienenwetter nur noch wenige Bienen ein- und ausfliegen. Die darauffolgende Kontrolle der Beute hat gezeigt, dass sich tatsächlich nur noch wenige Bienen im Volk befinden. Viele Bienen sind gestorben oder fanden den Weg nicht mehr zurück zu ihrer Beute. In den Waben hat es wenige Brutzellen, welche noch verdeckelt sind, jedoch halbvertrocknete Puppen enthält (Bild).

Die Symptome deuten darauf hin, dass diese Bienenvölker unter dem Akuten Bienenparalyse Virus (ABPV) gestorben sind. Bei wissenschaftlichen Studien erfolgt der Nachweis des Virus jeweils mit einem PCR Test. Solche Tests sind für Imker m.W. nicht verfügbar. Jedoch habe ich das Bild dem kantonalen Bieneninspektor gesendet und seine Diagnose war eindeutig.

Natürlich möchte ich wissen und herausfinden, weshalb die Völker gestorben sind und was wir im nächsten Jahr verbessern können und mache mich auf die Suche nach Fakten.

Was ist ABPV für ein Virus?

Das Akute Bienenparalyse Virus gehört zur Familie der Dicistroviridaeviren. Das Virus wurde erstmals 1963 bei Honigbienen entdeckt. Bekannt sind auch weitere Krankheiten, wie die Waldtrachtkrankheit, Mal Noir sowie Maikrankheit, welche wohl alle durch dasselbe Virus verursacht werden (Bailey, 1965). Sterben die Völker im Spätherbst oder Winter kann der Imker keinen Frühlingshonig ernten, deshalb sind Völkerverluste im Herbst oder Winter schmerzhaft.

Das Aktute Bienenparalyse Virus ist in vielen Bienenvölkern vorhanden ohne, dass es zu einem fatalen Ausbruch führt. In den folgenden Studien wurde gemessen, in welchem Anteil an Bienenvölker an einem Standort das ABPV nachgewiesen wurde:

  • 63 % in der Schweiz (Berthoud et al., 2010)
  • 58 % in Frankreich (Tentcheva et al., 2004)
  • 69 % in Österreich (Berényi et al., 2006)
  • 67 % in Ungarn (Bakonyi et al., 2002).

In Deutschland wurde eine Studie durchgeführt, bei welcher die Proben im Kopf der Bienen entnommen wurden, in diesem Bereich sind weniger Viren vorhanden, weshalb nur in 8.3 % der Völker ABPV nachgewiesen wurde (Gersch et al., 2010).

Jetzt kommt wieder die Varroa Milbe ins Spiel:

Die Milbe Varroa Destructor ernährt sich, primär vom Fettgewebe der Bienen (Ramsey, 2019). Die Milbe parasitiert sowohl Bienenlarven als auch erwachsene Bienen. Durch den Biss der Varroa Destructor werden die ABPV-Viren ins Fettgewebe injiziert und da können sie sich für den Wirt tödlich vermehren.

Solange die Viruspartikel nur oral aufgenommen werden, verläuft die Viruserkrankung unbemerkt. Um eine Krankheit oral auszulösen sind nämlich 100 Milliarden Virenpartikel pro Biene notwendig (Baily, 1965). Wird das Virus jedoch in den Körper der Bienen injiziert (Fettgewebe oder Hämoglyphe), so verursacht es bereits bei 100 Viren pro Biene eine Erkrankung, die zum Tod der infizierten Bienen führt (ZKBS, 2012).

Varroa plus ABPV war wohl die Ursache für den Tod unserer beiden Bienenvölker. Zum Glück haben wir noch viele vitale Bienenvölker, doch einiges geht mir noch durch den Kopf:

  • War es wirklich die Varroa, welche das ABPV aktivierte?
  • War der mangelnde Pollen im August nach dem grossen Gewitter in Cham mitverantwortlich?
  • Sitzen auf den alten Bienenwaben jetzt noch Millionen von Viren?

Meine Suche nach Fakten ist noch nicht zu Ende. Übrigens, diese Suche nach Viren ist ungefährlich für uns Menschen, denn sie können nur Bienen oder Hummeln was antun ;-)

Quelle und weiterführende Literatur:

  • Bakonyi, T., R. Farkas, A. Szendroi, M. Dobos-Kovacs, and M. Rusvai. Detection of acute bee paralysis virus by RT-PCR in honey bee and Varroa destructor field samples: screening of representative Hungarian apiaries. Apidologie33:63-74.
  • Berényi O, Bakonyi T, Derakhshifar I, Köglberger H, Nowotny N. Occurrence of six honeybee viruses in diseased Austrian apiaries. Appl Environ Microbiol. 2006;72(4):2414-2420. doi:10.1128/AEM.72.4.2414-2420.2006
  • Bailey, L., Gibbs, A.J., and Woods, R.D. (1963). Two viruses from adult honey bees (Apis
  • mellifera Linnaeus). Virology 21:390-395.
  • Bailey, L. (1965). The occurrence of chronic and acute bee paralysis viruses in bees outside Britain, Journal of Invertebrate Pathology, Volume 7, Issue 2, Pages 167-169, ISSN 0022-2011, https://doi.org/10.1016/0022-2011(65)90031-5.
  • Berthoud, Helene & Imdorf, Anton & Haueter, Monika & Radloff, Sarah & Neumann, Peter. (2010). Virus infections and winter losses of honey bee colonies (Apis mellifera). Journal of Apicultural Research. 49. 60-65. 10.3896/IBRA.1.49.1.08.
  • Ramsey D.S., Ronald Ochoa, Gary Bauchan, Connor Gulbronson, Joseph D. Mowery, Allen Cohen, David Lim, Judith Joklik, Joseph M. Cicero, James D. Ellis, David Hawthorne, Dennis van Engelsdorp (2019), Varroa destructor feeds primarily on honey bee fat body tissue and not hemolymph, Proceedings of the National Academy of Sciences, 116 (5) 1792-1801; DOI: 10.1073/pnas.1818371116
  • Tentcheva Diana, Laurent Gauthier, Nathalie Zappulla, Benjamin Dainat, François Cousserans, Marc Edouard Colin, Max Bergoin (2004), Prevalence and Seasonal Variations of Six Bee Viruses in Apis mellifera L. and Varroa destructor Mite Populations in France, Applied and Environmental Microbiology, 10.1128/AEM.70.12.7185-7191.2004.
  • ZKBS (2012), Empfehlung der ZKBS zur Risikobewertung von Acute bee paralysis virus (ABPV), Kashmir bee virus (KBV), Israeli acute paralysis virus (IAPV), Black queen cell virus (BQCV), Varroa destructor virus 1 (VDV-1), Slow bee paralysis virus (SBPV), Varroa destructor macula-like virus (VdMLV) und Chronic bee paralysis virus (CBPV) als Spender[1]oder Empfängerorganismen für gentechnische Arbeiten gemäß § 5 Absatz 1 GenTSV.