Asiatische Hornisse erkennen: Mit Dochtgläsern Nester gezielt finden

Asiatische Hornisse erkennen: Mit Dochtgläsern Nester gezielt finden

Die Asiatische Hornisse – eine wachsende Gefahr für Bienen und Natur

Seit ihrer ersten Sichtung in der Schweiz im Jahr 2017 breitet sich die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) kontinuierlich aus. Studien zeigen eine natürliche Ausbreitung von rund 60–80 km pro Jahr in Europa (ROME et al., 2015). Auch der Kanton Zug und das Schweizer Mittelland bieten dieser invasiven Art günstige klimatische Bedingungen (BAFU, 2022).
Für uns als Bio-Imkerei ist die Bedrohung täglich spürbar: Die Asiatische Hornisse jagt gezielt Honigbienen direkt vor dem Flugloch. Wissenschaftlich gut dokumentiert ist die sogenannte Sammellähmung – Bienen stellen aus Angst das Ausfliegen ein, was zu Futterknappheit und erhöhten Winterverlusten führt (MONCEAU et al., 2014; LAURINO et al., 2020). Ein einzelnes Hornissenvolk kann mehrere tausend Arbeiterinnen umfassen und im Herbst mehrere hundert Jungköniginnen hervorbringen (ROME et al., 2015).

Dochtgläser: einfache Methode mit grosser Wirkung

Dochtgläser sind keine Fallen, sondern reine Beobachtungs- und Lockhilfen. Das ist zentral: In der Schweiz sind viele Fangmethoden verboten oder ökologisch problematisch, da sie zahlreiche Nichtzielinsekten schädigen (FERNANDES et al., 2026).
So stellen wir Dochtgläser her:
  • Ein Honig- oder Konfitürenglas mit Deckel
  • Loch im Deckel (ca. 5–8 mm)
  • Saugfähiger Docht (Leinen, Küchentuch oder Vlies), der bis auf den Glasboden reicht
Lockmischung (bewährt und empfohlen):
  • 1/3 Bier
  • 1/3 süsser Wein (z. B. Weisswein)
  • 1/3 Himbeer- oder Zuckersirup
  • Optional: kleiner Spritzer Essig (reduziert Attraktivität für Bienen)
Diese Mischung wird auch von offiziellen Stellen empfohlen (BIENEN.CH, 2024). Wichtig: Kein Insekt darf ins Glas gelangen. Die Hornissen nehmen den Lockstoff ausschliesslich über den feuchten Docht auf.
Aufstellung:
  • Ab März bis Frühsommer
  • Erhöht platzieren (z. B. auf Pfosten), nicht am Boden
  • Mindestens 20 m Abstand von Bienenständen
  • Gut sichtbarer Rundumblick erleichtert die Beobachtung

Triangulation: Den Neststandort systematisch eingrenzen

Das Prinzip der Triangulation basiert auf der Beobachtung von Flugrichtungen mehrerer Hornissen von unterschiedlichen Dochtglas-Standorten. Diese Methode ist wissenschaftlich gut belegt und wird europaweit eingesetzt (KENNEDY et al., 2018; ROJAS‑NOSSA et al., 2022).
Schritt für Schritt aus der Praxis:
  1. Hornissen markieren
    Angelockte Asiatische Hornissen lassen sich während der Futteraufnahme ruhig mit einem Zeichnungsgerät markieren. Unterschiedliche Farben helfen bei der Identifikation.
  2. Flugrichtung beobachten
    Nach dem Abflug wird die Richtung auf einer Karte (z. B. Swisstopo) eingezeichnet. Hornissen orientieren sich an Landschaftsmerkmalen – leichte Abweichungen sind normal.
  3. Flugzeit messen
    Die Zeit zwischen Abflug und Rückkehr wird gestoppt. Als Faustregel gilt:
    1 Minute Abwesenheit ≈ 120 m Distanz zum Nest
    (Poidatz et al., 2018).
  4. Mehrere Standorte kombinieren
    Werden Dochtgläser an mehreren Orten betrieben, schneiden sich die Fluglinien. Der Schnittbereich grenzt den Neststandort oft auf wenige hundert Quadratmeter ein.
  5. Gezielte Sichtsuche
    Mit Feldstecher oder Fernrohr werden Baumkronen, Waldränder und Strukturen abgesucht. Primärnester finden sich bis etwa Juli eher in Bodennähe, Sekundärnester später hoch oben.
Diese Methode hat sich auch in der Schweiz bewährt und wird vom Bienengesundheitsdienst ausdrücklich empfohlen (BIENEN.CH, 2024).

Sicherheit, Meldung und Verantwortung

So wichtig der Einsatz von Dochtgläsern ist – Nestentfernung gehört ausschliesslich in fachkundige Hände. Asiatische Hornissen verteidigen ihre Nester aggressiv, und ein normaler Imkerschleier bietet keinen ausreichenden Schutz (BIENEN.CH, 2024).
Jede Sichtung – ob einzelne Hornisse oder Nest – muss in der Schweiz über die offizielle Plattform gemeldet werden: www.asiatischehornisse.ch
Die kantonalen Neobiota-Fachstellen entscheiden über das weitere Vorgehen und organisieren die Entfernung.

Unser Fazit aus der Bio-Imkerei in Hünenberg

Die Asiatische Hornisse ist gekommen, um zu bleiben. Eine vollständige Ausrottung ist unrealistisch. Doch mit Wissen, Beobachtung und Zusammenarbeit können wir ihre Auswirkungen deutlich reduzieren. Dochtgläser und Triangulation verbinden einfache Mittel mit solider Wissenschaft – und geben uns Imkerinnen und Imkern ein wirksames Werkzeug in die Hand, um unsere Bienen und die Natur im Kanton Zug zu schützen.

Auf einen Blick:

🐝 Bedrohung für Honig- und Wildbienen
🍯 Dochtgläser = Beobachtung, keine Falle
🧭 Flugrichtungen systematisch auswerten
📍 Triangulation lokalisiert Nester präzise
🚫 Nestentfernung nur durch Fachstellen

Quellen und weiterführende Literatur:

  • BAFU (2022): Gebietsfremde Arten in der Schweiz. Bundesamt für Umwelt.
  • BIENEN.CH (2024): Asiatische Hornisse – Allgemeine Informationen & Nestsuche mit Dochtgläsern. Bienengesundheitsdienst Schweiz.
  • KENNEDY, P.J. et al. (2018): Searching for nests of the invasive Asian hornet using radio-telemetry. Communications Biology.
  • LAURINO, D. et al. (2020): Vespa velutina: An alien driver of honey bee colony losses. Diversity.
  • MONCEAU, K. et al. (2014): Predation pressure of Vespa velutina on honey bees. Apidologie.
  • ROJAS‑NOSSA, S.V. et al. (2022): Method for nest detection of the yellow-legged hornet. Frontiers in Insect Science.


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