Asiatische Hornisse im Kanton Zug: Was wir wissen müssen

Asiatische Hornisse im Kanton Zug: Was wir wissen müssen

Die Asiatische Hornisse – eine invasive Art erreicht die Zentralschweiz

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) stammt ursprünglich aus Südostasien und wurde 2004 unbeabsichtigt nach Europa eingeschleppt. Seither breitet sie sich kontinuierlich aus. In der Schweiz wurde sie erstmals 2017 im Jura nachgewiesen und gilt mittlerweile in mehreren Kantonen als etabliert (Agroscope, 2023).
Auch wenn der Kanton Zug bislang nicht zu den Hotspots gehört, zeigen offizielle Meldestellen und Fachorganisationen klar: Die Ausbreitung schreitet voran, und die Zentralschweiz liegt klimatisch in einem potenziell geeigneten Gebiet (Agroscope, 2023). Für uns als Bio-Imkerei in Hünenberg ist das kein abstraktes Thema, sondern eine reale Entwicklung, die wir aufmerksam begleiten.

Warum Honigbienen besonders betroffen sind

Die Asiatische Hornisse jagt gezielt Honigbienen, indem sie vor den Fluglöchern der Stöcke auf Beute lauert. Studien aus stark betroffenen Regionen in Spanien zeigen, dass bereits wenige Hornissen ausreichen, um den Flugbetrieb eines Bienenvolkes massiv zu stören (Diéguez‑Antón et al., 2022). Die Folge ist sogenannter „Foraging Stress“: Die Bienen trauen sich nicht mehr aus dem Stock, sammeln weniger Nahrung und schwächen sich langfristig selbst.
Langzeituntersuchungen belegen zudem, dass eine anhaltende Präsenz von fünf oder mehr Hornissen pro Stand das Überleben von Bienenvölkern signifikant gefährdet (Diéguez‑Antón et al., 2022; Diéguez‑Antón et al., 2025). Diese Erkenntnisse decken sich mit den Erfahrungen vieler europäischer Imkerinnen und Imker – und sie unterstreichen, warum wir das Thema auch in Zug ernst nehmen müssen.

Auswirkungen auf Biodiversität und Landwirtschaft

Die Asiatische Hornisse ist kein reiner „Bienenjäger“. Untersuchungen zur Nahrungszusammensetzung zeigen, dass sie ein breites Spektrum an Insekten erbeutet, darunter Wildbienen, Fliegen und andere Bestäuber (Monceau, Bonnard & Thiéry, 2013). Damit stellt sie nicht nur für die Imkerei, sondern für die gesamte Biodiversität ein Risiko dar.
Für eine Region wie den Kanton Zug, mit seiner kleinräumigen Landwirtschaft, Obstbäumen, Gärten und Schutzgebieten, ist das besonders relevant. Bestäubungsleistungen sind ein zentrales Fundament unserer Kulturlandschaft – und genau hier kann eine invasive Art langfristig Schaden anrichten.

Erkennen, melden, nicht selbst handeln

Ein entscheidender Punkt im Umgang mit der Asiatischen Hornisse ist die Früherkennung. Typisch sind der überwiegend dunkle Körper, gelbe Beinenden und das eher „schwarze“ Erscheinungsbild im Flug. Verwechslungen mit der einheimischen Europäischen Hornisse (Vespa crabro) sind häufig, weshalb eine fachliche Bestätigung wichtig ist (BirdLife Zug, 2025).
In der Schweiz gilt: Sichtungen oder Nester müssen über die offizielle Meldeplattform gemeldet werden. Das eigenständige Entfernen von Nestern ist weder erlaubt noch sicher. Fachstellen koordinieren das weitere Vorgehen, um die Ausbreitung möglichst effektiv zu verlangsamen (Bienen.ch, 2024).

Unsere Haltung als Bio-Imkerei im Kanton Zug

Wir erleben am Bienenstand täglich, wie fein abgestimmt das Zusammenspiel von Bienen, Pflanzen und Umwelt ist. Als Bio-Imkerei Arnet Scherrer setzen wir auf starke, gesunde Völker, gute Standortwahl und enge Zusammenarbeit mit Fachstellen. Wissenschaftliche Studien zeigen klar: Gut genährte und vitale Bienenvölker kommen mit zusätzlichem Stress besser zurecht als geschwächte (Diéguez‑Antón et al., 2022).
Ich persönlich empfinde es immer wieder als faszinierend, wie anpassungsfähig unsere Bienen sind – und gleichzeitig als unsere Verantwortung, ihnen unnötige Belastungen zu ersparen. Die Asiatische Hornisse fordert uns heraus, informiert, ruhig und gemeinschaftlich zu handeln.

Auf einen Blick:

🐝 Invasive Art aus Asien, seit 2017 in der Schweiz
📍 Kanton Zug potenziell betroffen, Wachsamkeit nötig
⚠️ Gefahr für Honigbienen und andere Bestäuber
🔍 Früherkennung und Melden sind entscheidend
🌱 Starke Bienenvölker sind widerstandsfähiger

Quellen und weiterführende Literatur:

  • Agroscope (2023). Asiatische Hornisse – Vespa velutina. Bundesamt für Landwirtschaft.
  • Bienen.ch (2024). Die Asiatische Hornisse in der Schweiz. Schweizerischer Bienengesundheitsdienst.
  • BirdLife Zug (2025). Bestimmung der Asiatischen Hornisse. Informationsblatt.
  • Diéguez‑Antón, A. et al. (2022). Monitoring study in honeybee colonies stressed by the invasive hornet Vespa velutina. Veterinary Sciences, PMC9032408.
  • Diéguez‑Antón, A. et al. (2025). Long-term Vespa velutina pressure: Honey bee survival risk. Apidologie.
  • Monceau, K., Bonnard, O. & Thiéry, D. (2013). Vespa velutina: a new invasive predator of honeybees in Europe. Journal of Pest Science.
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