Brutwabe mit Drohnenbrut im unteren Bereich und Bienenbrut im oberen Bereich.

Drohnenbrut schneiden: Wirkung, Grenzen und Nutzen für gesunde Völker

Warum Drohnenbrut für Varroa so attraktiv ist

Biologie als Schlüssel zur Bekämpfung

Die Varroamilbe bevorzugt Drohnenbrut deutlich gegenüber Arbeiterinnenbrut. Der Grund liegt in der längeren Verdeckelungszeit der Drohnenzellen: Sie erlaubt der Milbe, mehr Nachkommen erfolgreich aufzuziehen. Studien zeigen, dass Drohnenbrut im Schnitt acht- bis neunmal stärker mit Varroa befallen ist als Arbeiterinnenbrut (SCHULZ, 1984; FUCHS, 1990). Diese biologische Schwäche nutzen wir gezielt aus, indem wir Drohnenbrut als „Milbenfalle“ einsetzen (CHARrière et al., 1999).

Wie stark reduziert Drohnenschnitt die Varroapopulation?

Zahlen aus Studien und Praxis

Unter Schweizer und mitteleuropäischen Bedingungen lassen sich durch konsequenten Drohnenschnitt 40–50 % der reproduzierenden Varroamilben aus einem Volk entfernen (AL TOUFAILIA et al., 2018; CALIS et al., 1999). Eine gross angelegte Untersuchung des Julius-Kühn-Instituts analysierte 262 Drohnenrahmen aus 63 Völkern. Pro entnommener Drohnenwabe wurden im Median 71,5 Milben gefunden. Werden während einer Saison vier Drohnenrahmen geschnitten, lassen sich somit rund 280–300 Varroamilben pro Volk entfernen (ODEMER et al., 2022).

Für unsere Praxis in der Zentralschweiz decken sich diese Zahlen gut mit den eigenen Befallskontrollen im Juni und Juli.

Auswirkungen auf die Sommerbehandlung

Später, seltener oder sanfter behandeln?

Die Reduktion der Frühjahrs- und Frühsommervermehrung hat direkte Folgen für die Sommerbehandlung. Mehrere Modelle und Feldstudien zeigen, dass Drohnenschnitt das exponentielle Wachstum der Varroapopulation um mehrere Wochen verzögert (CALIS et al., 1999; AL TOUFAILIA et al., 2018).

In der Praxis bedeutet das:

  • Die erste Sommerbehandlung kann oft 10–20 Tage später angesetzt werden, ohne kritische Befallswerte zu erreichen.m Was insbesondere in Waldtrachtjahren interessant ist.
  • Bei moderatem Ausgangsbefall kann in einzelnen Jahren eine statt zwei Sommerbehandlungen ausreichend sein, sofern die Befallsdiagnose dies bestätigt (CALDERONE, 2005).

Wichtig bleibt: Drohnenschnitt ersetzt keine Sommer- oder Winterbehandlung, sondern ist eine ergänzende Massnahme im integrierten Varroamanagement.

Beeinflusst Drohnenschnitt den Schwarmtrieb?

Ein oft unterschätzter Nebeneffekt

Aus unserer Erfahrung – und bestätigt durch Fachstellen – wirkt ein korrekt platzierter Drohnenrahmen am Rand des Brutnestes schwarmdämpfend. Der gezielte Drohnenbau lenkt Bautrieb und Brutaktivität und verhindert wilden Drohnenbau mitten im Brutnest. Offizielle Merkblätter staatlicher Bieneninstitute nennen den Drohnenrahmen explizit als „Stimmungsbarometer“ für Schwarmtrieb (LWG BAYERN, 2024). 

Wissenschaftlich ist dieser Effekt schwer zu quantifizieren, doch es gibt keine Hinweise, dass Drohnenschnitt den Schwarmtrieb erhöht. Und ein Blick auf den Drohnenrahmen reicht in der Regel um festzustellen, ob das Volk schwärmen will. 

Hat das Schneiden der Drohnenbrut Einfluss auf die Honigleistung?

Klare Entwarnung aus der Forschung

Ein häufig geäusserter Vorbehalt betrifft mögliche Honigeinbussen. Eine kontrollierte Studie von CALDERONE (2005) zeigte jedoch, dass Völker mit regelmässigem Drohnenschnitt gleich viel oder sogar mehr Honig eintrugen als Kontrollvölker ohne Drohnenschnitt. Weder Volksstärke noch Brutumfang wurden negativ beeinflusst.

Auch in unserer Bio-Imkerei beobachten wir: Gesündere Völker mit geringerem Varroadruck investieren langfristig mehr Energie in Sammeltrieb und Honigproduktion.

Grenzen und Voraussetzungen des Drohnenschnitts

Was realistisch ist – und was nicht

Trotz aller Vorteile bleibt Drohnenschnitt eine arbeitsintensive Massnahme. Seine Wirkung ist begrenzt, wenn:

  • der Ausgangsbefall bereits sehr hoch ist (über ca. 700 Milben pro Volk),
  • Drohnenwaben zu spät oder unregelmässig entfernt werden,
  • oder keine ergänzenden Behandlungen folgen (NATIONAL BEE UNIT, 2024).

In solchen Fällen kann der Effekt verpuffen oder sogar kontraproduktiv werden, wenn Drohnen schlüpfen und Milben freigesetzt werden.

Fazit aus Sicht unserer Bio-Imkerei in Hünenberg

Wir sehen im Drohnenschnitt eine ökologisch saubere, rückstandsfreie und wissenschaftlich gut belegte Methode, um den Varroadruck früh im Jahr deutlich zu senken. Richtig angewendet verschafft sie wertvolle Zeit, schont unsere Bienen und reduziert den Bedarf an chemischen Eingriffen – ein Ansatz, der perfekt zu unserer Bio-Philosophie passt.


 

Auf einen Blick:

🐝 Varroareduktion: ca. 40–50 % weniger Milben
📉
Sommerbehandlung: 10–20 Tage später möglich
🧪
Therapiebedarf: teils nur eine Sommerbehandlung
🌸
Honigertrag: kein negativer Einfluss
🚫
Schwarmtrieb: eher dämpfend als fördernd



 

Quellen und weiterführende Literatur:

  • Al Toufailia, H., Scandian, L., Ratnieks, F.L.W. (2018). Towards integrated control of varroa: mortality proportion from early spring trapping in drone brood. Journal of Apicultural Research.
  • Calis, J.N.M., Boot, W.J., Beetsma, J. (1999). Model evaluation of methods for Varroa jacobsoni mite control based on trapping honey bee brood. Apidologie.
  • Calderone, N.W. (2005). Evaluation of drone brood removal for management of Varroa destructor. Journal of Economic Entomology.
  • Charrière, J.-D., Imdorf, A., Bachofen, B., Tschan, A. (1999). Ausschneiden von Drohnenbrut – eine wirksame Massnahme zur Reduktion des Varroabefalls. Schweizerische Bienen-Zeitung.
  • Odemer, R. et al. (2022). Temporal increase of Varroa mites in trap frames used for drone brood removal. Journal of Economic Entomology. 
  • National Bee Unit (2024). Using drone brood removal as a Varroa control. UK. 
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