Wann schwärmen Bienen? Ursachen, Zeitpunkt und Bedeutung
Wann schwärmen Bienen – und warum überhaupt?
Ein Bienenschwarm ist die natürliche Art der Vermehrung eines ganzen Bienenvolkes. Während sich einzelne Bienen nicht fortpflanzen, teilt sich der sogenannte „Superorganismus“ Bienenvolk. Aus einem starken Volk entstehen so zwei selbstständige Völker. Dieses Verhalten ist seit Millionen von Jahren evolutionär bewährt (GROZINGER et al., 2014).
In der Praxis erleben wir das Schwärmen bei unseren Bio-Bienenvölkern in der Zentralschweiz jedes Jahr aufs Neue als eindrückliches Naturschauspiel – und als Zeichen von Vitalität.
Der typische Zeitraum: Frühling bis Frühsommer
Hauptsaison für Bienenschwärme
In unseren Breitengraden – also auch im Kanton Zug – schwärmen Honigbienen hauptsächlich zwischen Mai und Juni. Wissenschaftliche Feldstudien aus Mitteleuropa zeigen, dass der Grossteil der Schwärme in diesem Zeitfenster fällt (RUTSCHMANN et al., 2025).
Der Grund ist simpel:
- Die Völker haben im Frühling ihre grösste Volksstärke
- Die Tracht ist reichhaltig (Kirsch-, Apfel-, Löwenzahn- und später Akazienblüte)
- Die Temperaturen sind stabil genug für einen sicheren Neuanfang
In einzelnen Jahren mit frühem, warmem Frühling beobachten wir erste Schwärme bereits Ende April.
Was löst den Schwarmtrieb konkret aus?
Der Schwarmtrieb entsteht nicht durch einen einzelnen Faktor, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer innerer und äusserer Signale.
1. Platzmangel im Brutraum
Sobald der Brutraum mit Brut, Pollen und Honig gefüllt ist, fehlt der Königin Platz für neue Eier. Studien zeigen, dass Brutnest-Verstopfung einer der stärksten internen Auslöser für das Schwärmen ist (SEELEY, 2010; GROZINGER et al., 2014).
2. Hohe Volksstärke und viele junge Ammenbienen
Im Frühsommer gibt es besonders viele junge Arbeiterinnen, die Brut pflegen möchten. Wenn dafür zu wenig offene Brut vorhanden ist, kippt das Gleichgewicht – der Schwarmtrieb steigt (Winston, 1987).
3. Starke Nektar- und Pollentracht
Eine üppige Tracht signalisiert dem Volk: Die Umwelt kann zwei Völker ernähren. Feldbeobachtungen bestätigen, dass Schwärme häufig mit dem Beginn einer intensiven Tracht zusammenfallen (KLETT et al., 2025).
4. Alter und Pheromonwirkung der Königin
Mit zunehmendem Alter verteilt sich das Königinnenpheromon schlechter im grossen Volk. Diese „Verdünnung“ wird von den Arbeiterinnen als Zeichen interpretiert, eine neue Königin heranzuziehen (GROZINGER et al., 2014).
Wie läuft ein Schwarm konkret ab?
Vorbereitung im Bienenstock
- Die Arbeiterinnen bauen Weiselzellen
- Die Königin legt Eier in diese Zellen
- Die alte Königin wird weniger gefüttert und dadurch flugfähig
Der Abflug
Kurz bevor die erste Jungkönigin schlüpft, verlässt die alte Königin mit rund 40–60 % der Arbeiterinnen den Stock (SEELEY, 2010). Das geschieht meist an warmen, trockenen Tagen zwischen spätem Vormittag und frühem Nachmittag.
Schwarmtraube und Wohnungssuche
Der Schwarm sammelt sich zunächst als Traube an einem Ast oder Gebäude. Kundschafterinnen suchen neue Nistplätze und „stimmen“ mittels Schwänzeltanz demokratisch ab. Dieser Entscheidungsprozess ist hervorragend erforscht und gilt als Paradebeispiel kollektiver Intelligenz (SEELEY, 2010).
Sind Bienenschwärme gefährlich?
Aus unserer Erfahrung – und wissenschaftlich gut belegt – sind Bienenschwärme ausgesprochen friedlich. Die Bienen haben keinen Stock zu verteidigen und sind auf Nahrungssuche fokussiert. Entsprechend ist die Stichbereitschaft sehr gering (National Bee Unit, UK).
Wichtig ist: Abstand halten und einen lokalen Imker oder die Feuerwehr informieren – gerade auch in dicht besiedelten Regionen wie Zug.
Was bedeutet das Schwärmen für die Imkerei?
Für uns als Bio-Imkerei
Ein schwärmendes Volk ist gesund und stark, aber für die Honigernte bedeutet es zunächst einen Verlust an Sammelbienen. In der Bio-Imkerei versuchen wir deshalb, den Schwarmtrieb sanft zu lenken, etwa durch Ablegerbildung – im Einklang mit dem natürlichen Verhalten der Bienen.
Für die Natur
Schwärme tragen zur genetischen Vielfalt und zur Verbreitung der Honigbiene bei. Untersuchungen an freilebenden Völkern zeigen, dass natürliche Schwarmraten ein zentraler Bestandteil stabiler Populationen sind (RUTSCHMANN et al., 2025).
Fazit: Schwärmen ist kein Problem, sondern ein Zeichen von Stärke
Wenn Bienen schwärmen, zeigt das:
- Das Volk ist gesund
- Die Umweltbedingungen sind gut
- Die Natur folgt ihrem eigenen, faszinierenden Rhythmus
Ich persönlich bleibe jedes Mal stehen, wenn ein Schwarm abfliegt. Trotz jahrzehntelanger Erfahrung berührt mich dieser Moment immer wieder – weil er zeigt, wie perfekt ein Bienenvolk als Gemeinschaft funktioniert.
Auf einen Blick:
🐝 Schwärmen = natürliche Vermehrung des Bienenvolkes
🌸 Hauptzeit: Mai bis Juni in der Zentralschweiz
📈 Auslöser: Platzmangel, starke Tracht, hohe Volksstärke
👑 Alte Königin zieht mit ca. der Hälfte des Volkes aus
🌳 Schwärme sind friedlich und nicht aggressiv
🌸 Hauptzeit: Mai bis Juni in der Zentralschweiz
📈 Auslöser: Platzmangel, starke Tracht, hohe Volksstärke
👑 Alte Königin zieht mit ca. der Hälfte des Volkes aus
🌳 Schwärme sind friedlich und nicht aggressiv
Quellen und weiterführende Literatur:
- Grozinger, C. M., Richards, J., & Mattila, H. R. (2014). From molecules to societies: mechanisms regulating swarming behavior in honey bees. Apidologie, 45, 327–346.
- Rutschmann, B., Kohl, P. L., & Steffan-Dewenter, I. (2025). Swarming rate and timing of unmanaged honeybee colonies. Insectes Sociaux, 72, 505–512.
- Seeley, T. D. (2010). Honeybee Democracy. Princeton University Press.
- Klett, K. et al. (2025). Vitellogenin plays a role in regulating honey bee swarming. Scientific Reports, 15, 36569.
- National Bee Unit (UK). Dealing with swarms – guidance for beekeepers.