Wie weit fliegen Bienen?

von Peter Scherrer

Damit Bienen gesund bleiben und einen qualitativ hochwertigen Honig einlagern können, ist es wichtig, dass Bienen immer über genügend Futter (Nektar, Pollen) und Wasser verfügen.

Wie weit fliegen die Bienen, um Nektar für Honig zu finden?

Für den Flugradius von Bienen gilt ein Richtwert ist 3 km. Diese Mindestdistanz halten Imker ein, wenn sie ein Bienenvolk von einem Standort an einen anderen Standort verstellen, damit die Flugbienen nicht wieder an den alten Ort zurückfliegen und da keine Behausung mehr auffinden.

Eine Studie aus Sheffield (UK) hat während der Heideblüte gemessen, dass über 50 % der Bienen sich weiter als 6 km vom Bienenstock entfernten und 25 % sogar weiter als 7.5 km (Beckmann, 2000). Spannend ist, dass die Flugradius je nach Jahreszeit variiert (Couvillon, 2014). In Sussex (UK) sind in einer strukturierten Landschaft, wie wir es auch im Kanton Zug und der Schweiz vorfinden, während drei Jahren über 5'000 Messungen durchgeführt worden. Nachfolgend die Mediane der gemessenen Flugdistanzen der Sammelbienen:

  • März: 493 m
  • Juli / August: 2’156 m
  • September / Oktober: 1’275 m

    Man könnte vermuten, dass die tiefere Temperatur im Frühling und Herbst einen Einfluss auf die geringere Flugdistanz haben. Der Zusammenhang zwischen der Flugdistanz und Tagestemperatur wurde jedoch untersucht und korrelierte nicht

    Für Imker kann dies bedeuten, dass es im Sommer in der trachtlosen Zeit, noch wichtiger ist, beim Verstellen von Bienenvölkern eine Mindestdistanz von 3 km einzuhalten, als im Frühling, wenn die ersten Jungvölker gebildet werden.

    Wie werthaltig sind die Trachtquellen?

    Die Biene trägt den gesammelten Nektar in der Honigblase zum Bienenstock zurück. Die Honigblase hat ein Volumen von 0.05 – 0.06 ml. Je höher die Zuckerkonzentration im Nektar ist, desto mehr Energie in Form von Zucker kann in einem Sammelflug gesammelt werden. Deshalb haben die Wissenschafter aus Sussex die Zuckerkonzentration im gesammelten Nektar gemessen, um zu prüfen, ob die weiten Flugdistanzen im Sommer mit einem hochwertigeren Nektar belohnt werden. Nachfolgend die Mediane der gemessenen Zuckeranteile im gesammelten Nektar:

    • März / April: 22 %
    • Mai: 51 %
    • Juni / Juli / August 20 %
    • September / Oktober: 40 %

    Es zeigt sich deutlich, dass im Sommer auch der Zuckeranteil tief ist, während der Zuckeranteil im Mai sehr hoch ist.

    Diese Messungen lassen vermuten, dass es den Bienen an diesem Standort im Sommer am schwersten fällt genügend Pollen zu sammeln, um die Bienenlarven zu füttern und in der Region genügend Nektar zu finden, um besten Honig einzulagern.

    Dies deckt sich mit unseren Beobachtungen im Kanton Zug am Bienenstand in Cham. Im Juli finden auch unsere Bienen kaum mehr Nektar oder Honigtau für Honig. Damit die Honigbienen und Wildbienen in Cham und im Kanton Zug das ganze Jahr über ein ausreichendes Futterangebot vorfinden, ist eine Verbesserung der Trachtquellen im Sommer wünschenswert.

    Im Sommer sind die Linden (Sommerlinde, Winterlinde, Silberlinde), die wichtigste Nahrungsquelle für Bienen. Nebst den Linden blühen dann auch Wildblumen wie der Wiesensalbei, die Flockenblume und das Weidenröschen. Mit Freuden beobachten Bienenfreunde, dass mehr Landwirte Sonnenblumenstreifen entlang der Maisäcker pflanzen. Denn auch  Sonnenblumen blühen zur richtigen Zeit und finden Platz auf jedem Balkon und in jedem Garten.

    Quellen und weiterführende Literatur:

    • Couvillon MJ, Schürch R, Ratnieks FLW (2014) Waggle Dance Distances as Integrative Indicators of Seasonal Foraging Challenges. PLoS ONE 9(4): e93495.
    • Beekman, Madeleine & Ratnieks, F.L.W.. (2000). Long-range foraging by the honey-bee, Apis mellifera L. Functional Ecology. 14. 490 - 496.